Jagdverhalten von Hütehunden

"Mein Hund jagt nicht, er läuft nur ein bisschen hinterher und bekommt das Reh auch gar nicht!"   

            

Ein Hund, der jagt, ist ein Hund, der jagt. 

 

Zunächst muss einem die Entscheidung klar sein, dann kommt eine Leine an den Hund und schwupp, jagt er nicht mehr. Natürlich sollte man nun auch keine Bällchen kicken (außer als gezielt inszenierte sogenannte Stellvertretersituation, in der gut geplant am Aushalten von sich schnell bewegenden Reizen gearbeitet wird). Wochenlanges Training ist nicht notwendig, wenn die Entscheidung gefallen ist und man selber fit ist in Körpersprache, Timing und vor allem vorausschauendem Handeln. Sobald der Hund eine Witterung aufnimmt, interessiert schaut und die ersten Anzeichen der Verhaltenskette des Jagdverhaltens zeigt, muss sofort ein dem Hund und der Situation angepasstes informatives, kompromissloses "Nein", ein energetisches "Stopp!" oder auch ein freundliches "Danke, dass Du es mir anzeigst, wir bleiben alle hier." kommen. Wenn das sitzt, wird der Hütehund nicht mehr jagen. Achtung: Auch ein Mauselochbuddeln an der Leine ist Jagdverhalten und setzt alle daran beteiligten Hormone frei. Unterbinden Sie auch frühzeitig das Fixieren von Fahrzeugen, Fahrrädern, Inlinescatern etc. sowie von anderen Hunden und auch die typische "Anschleichhaltung", wenn Ihr Hund zum Jagen neigt. 

 

Arbeiten Sie an sich selber und holen Sie sich ruhig auch fachkundige Hilfe. Es gibt viele verschiedene Wege, an der Impulskontrolle des Hundes und an einem sicheren Abruf zu arbeiten. Alternativverhalten und eventuell sogar eine sinnvolle Ersatzjagd können aufgebaut werden, so dass Ihr Hütehund vielleicht auch bald wieder frei laufen kann und beim nächsten Hasen nicht mehr durchstartet.

Mein Weg

Da ich mit meinen Hunden zumindest außerhalb der Brut- und Setzzeit, in der hier in Niedersachsen in der freien Natur eine Leinenpflicht besteht, gerne leinenlos unterwegs bin, müssen meine Hunde zuverlässig abrufbar sein, bei mir bleiben können und dürfen die Wege nicht verlassen, wenn ich die Räume drumherum (z.B. öffentliche Wiesen) nicht "frei"gebe. Sie lernen also von Welpe an, in einem bestimmten, von mir vorgegebenen Raum zu bleiben und auf Pfiff oder Ruf sofort zu mir zu kommen. Die Jungen lernen es von den Alten und ich führe jeden Hund individuell nach seinem Wesen. Manche bleiben sowieso bei mir, andere muss ich etwas bremsen, um ihre Aufmerksamkeit zu behalten. Ich rede auch mit meinen Hunden und gebe Räume vor, ich habe ein inneres Bild vor Augen, wie ich mir das gemeinsame Laufen vorstelle: Ruhig, als geschlossene, harmonische Gruppe, frei, aber ansprechbar. Es darf bei geeigneten Bedingungen auch mal gerannt werden, denn Collies lieben es, große Kreise zu ziehen und miteinander zu rennen. Hierbei muss aber trotzdem ein sofortiger Abruf möglich sein. Ich lasse meine Hunde von Anfang an keine Dinge oder Tiere jagen. Der Jagdtrieb ist schnell geweckt, wenn man den Welpen Vögel oder Blätter jagen lässt, deshalb lasse ich so etwas gar nicht erst zu. Besser ist es, den Welpen dann bei sich zu behalten und mit ihm zu beobachten und zu erklären. Da ich im Frühling viele Amselküken im Garten habe, ist während dieser Zeit mein ständiger Satz "Die Amseln sind unsere Freunde!" - sie werden nicht gejagt. Ebenso die Eichhörnchen, auch sie sind unsere Freunde. Unterwegs beobachten wir Rehe, Kaninchen und Greifvögel, schauen  Pferden und Rindern auf den Weiden beim Grasen und Laufen zu und bleiben dabei ruhig. Aufregung ist unerwünscht, Ruhe ist gut. 

 

Wenn ich mit allen unterwegs bin, muss ich sehr konzentriert sein. Mein Handy ist dann aus und ich bin mit meinen Hunden eins. Ich habe einen einzigen Hund dabei, der früher sehr auf Sichtreize reagiert hat. Er ist mir vor einigen Jahren einmal bei Sichtung zweier Radfahrer am Horizont abgedüst - und hat die ganze Gruppe mitgezogen. Die Hunde kamen zwar auf Pfiff nach wenigen Sekunden im vollen Galopp zurück, aber diese Situation möchte ich nicht noch einmal erleben. Deshalb habe ich immer die Umgebung im Blick, schaue, was meine Hunde in den Sinnen und im Sinn haben und handele, bevor mir nur noch das Reagieren bleibt. Wenn ein Reiz entdeckt wird, der stark das (Jagd-)Interesse weckt und ich merke, dass einer meiner Hunde oder die ganze Gruppe sich zu sehr nach dorthin orientiert, spreche ich an und hole mir den Kontakt zurück. Ich spreche zuerst mit dem Namen an, darauf orientiert sich der Hund zu mir um und ich kann eine Bitte folgen lassen, z.B. "Alle bleiben hier." oder "Wir gehen weiter.". Ich laufe leichte Bögen um den Außenreiz herum, lasse meine Hunde alle zusammen absitzen und warten oder leine einen/mehrere/alle an, je nach Situation. Ein Umlenken, wie oft in Hundeschulen praktiziert, mache ich nicht. Ich möchte, dass meine Hunde verstehen, was ich entschieden habe und warum und dass wir einfach alle zusammen bleiben. Manchmal ist das Arbeit, aber man kommt mit jedem mal weiter. Wenn man einen Hund mit Bällchen oder anderem Spielzeug ablenkt, setzt der Hund sich nicht aktiv mit der Situation auseinander, man fängt jedesmal von vorne an und wenn man das Quietschie vergessen hat, hetzt der Hund doch dem Hasen hinterher und man ist kein bisschen weitergekommen als Team, im Gegenteil. 

 

Impulskontrollübungen sind das A und O für ein entspanntes Miteinander. Mit sogenannten Stellvertretersituationen kann man wunderbar an der Frustrationstoleranz arbeiten. Zunächst ohne Ablenkung mit sich nicht bewegenden, aber verlockenden Reizen, zum Beispiel Futter auf dem Boden. Üben Sie, die Aufmerksamkeit des Hundes zu behalten, ein lockeres Laufen mit und ohne Leine am Reiz vorbei oder einen Abruf durch die Futterstückchen hindurch. Später arbeiten Sie mit sich bewegenden Reizen: Futter oder anderes fliegt vom Hund weg oder am Hund vorbei, ohne dass er sich in Bewegung setzt. Dann macht man all diese Übungen draußen und unter voller Ablenkung. Wenn der Hund gelernt hat, geduldig zu warten, bis eine neue Anweisung folgt, wird er auch bei starken Außenreizen zu Ihnen schauen und abfragen, was Sie möchten. Dann sollte natürlich auch sofort unsere Antwort kommen. Auch Warte- und Bleibübungen dienen der Impulskontrolle und RUHE ist immer gut. Viele von uns Menschen sind einfach häufig viel zu schnell. Ganz oft hilft warten, wirken lassen, reflektieren, atmen, und dann bewusst neu entscheiden. 

 

Ich bestätige erwünschtes Verhalten mit wohlwollender Energie, freundlichen Worten, einem wirklich von Herzen kommenden Lächeln und bei einigen meiner Hunde mit einem leichten seitlichen Abstreifen. Andere finden diesen Körperkontakt überflüssig und werden lieber nur verbal bestätigt. Man muss da sehr achtsam sein und darf nicht jedem Hund das gleiche "Schema" überstülpen. Durch diese Art des gemeinsamen Erarbeitens des Gruppenzusammenhalts wird die Bindung sehr stark und belastbar. Man lernt sich und seine Hunde sehr gut kennen und die Kommunikation wird mit jedem Tag feiner. Diese Art des Zusammenlebens mit Hunden ist sehr wertvoll und beglückend. Ich wünsche jedem, diese Erfahrungen machen zu dürfen und immer authentischer mit seinen Hunden zu leben. 

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Nach dem deutschen Heilmittelwerberecht § 3 muss ich darauf hinweisen, dass es sich bei den hier vorgestellten Methoden, sowohl therapeutischer als auch diagnostischer Art, um Verfahren der alternativen Medizin handelt, die wissenschaftlich umstritten und schulmedizinisch nicht anerkannt sind.